ICH BRAUCH’s NICHT - ICH RAUCH’ NICHT
Nichtraucherprojekt an den Schulen von Stadt und Land Salzburg
Ergebnisse der Auswertung der Fragebögen des zweiten Projektjahres


Auch im zweiten Projektjahr war die Teilnahme erfreulich hoch. 2591 SchülerInnen (50,5% Mädchen, 49,5% Burschen) aus 99 Klassen haben am Projekt teilgenommen. Der Anteil der HauptschülerInnen betrug 68,9% der der GymnasiastInnen 31,1%.
Die Kontrollgruppe - ohne Projekt, nur Fragebogenerhebung, umfasste 2335 SchülerInnen.

Nichtraucherverhalten
Der Prozentsatz der NichtraucherInnen hat sich in der Projektgruppe zwischen Messzeitpunkte 1 (Projektbeginn, Februar 2003) und Messzeitpunkt 4 (Ende des 2. Projektjahres, Juni 2004) von 86,4% auf 77% verringert (Kontrollgruppe von 83,6% auf 75,8%). Die Zahl der Täglich-RaucherInnen stieg im gleichen Zeitraum von 0,2% auf 2,5% (Kontrollgruppe von 0,2% auf 4,6%). Der Anteil aller rauchenden SchülerInnen (letzten 4 Wochen, letzten 7 Tage, täglich) stieg in der Projektgruppe von 2,4% zum Zeitpunkt 1 auf 10,3% zum Zeitpunkt vier. In der Kontrollgruppe stieg dieser Anteil von 3,3% auf 12,7%. 10,2% gaben am Ende des 2. Jahres an, mit dem Zigarettenrauchen aufgehört zu haben.
Obwohl der Anteil der NichtraucherInnen im Verlauf des Projektes abgenommen hat, lehnen immer noch mehr als 3/4 der SchülerInnen den Zigarettenkonsum ab. Insgesamt konnte nach dem zweiten Projektjahr bereits eine deutliche Tendenz im Sinne des NichtraucherInnenverhaltens festgestellt werden. Der Anstieg der TäglichraucherInnen blieb in der Projektgruppe gegenüber der Kontrollgruppe deutlich zurück und auch der Anstieg der gesamten RaucherInnengruppe (letzten 4 Wochen, letzten 7 Tage, täglich) fiel in der Projektgruppe um 16% geringer aus. Am Ende des dritten Jahres sollte, so das Ziel des Projektes, die Reduktion des Anstiegs in der Projektgruppe mindestens 20% gegenüber der Kontrollgruppe betragen.

Einstellung zum Rauchen
Sowohl in der Projekt- als auch der Kontrollgruppe haben sich während dieses Zeitraums die hohen Zustimmungen gegenüber negativen Aussagen wie "Rauchen ist uncool", "Rauchen ist ekelig" etwas abgeschwächt (in der Kontrollgruppe stärker als in der Projektgruppe).

Meinung zum Rauchen
Auch in Fragen wie "Wenn man raucht, wirkt man erwachsen", "Rauchen macht schlank" schwächte sich die ablehnende Haltung gegenüber dem Zigarettenkonsum etwas ab.
Allerdings blieb die Zustimmung von Aussagen wie "Raucher haben Mundgeruch", "Raucher müssen oft stark husten" in der Projektgruppe höher als in der Kontrollgruppe.

Fakten zum Rauchen
" Wenn man raucht, atmet man viele Giftstoffe ein", "Wer regelmäßig raucht, wird von der Zigarette abhängig" - diese und ähnliche Aussagen konnten vor allem die am Projekt teilnehmenden SchülerInnen richtig beantworten. Dieser Effekt ist auch nach dem zweiten Jahr deutlich sichtbar. Dennoch bestehen gerade im Wissensbereich noch deutliche Verbesserungspotentiale. Kurzfristige Auswirkungen wie Blutdrucksteigerung oder Pulsbeschleunigung werden nur von einem kleinen Prozentsatz richtig eingestuft. Auch wird beispielsweise die Zahl der RaucherInnen sowohl bei den Gleichaltrigen als auch bei den Erwachsenen immer noch deutlich überschätzt.


Handlungskompetenz zum Thema Nichtrauchen
Die am Projekt teilnehmenden SchülerInnen zeigen gegenüber den SchülerInnen der Kontrollgruppe auch nach dem zweiten Projektjahr eine deutlich optimistischere Einschätzung bei den Fragen:
" Einen Raucher beraten, wie er von der Zigarette wieder loskommt"
" Einem Freund, der raucht, helfen, mit dem Rauchen aufzuhören".

Befragung über die Durchführung des Projektes (PädagogInnen, SchülerInnen)
Die Bewertung der Projektinhalte ergab sowohl bei SchülerInnen als auch bei Lehrkräften durchwegs gute Zensuren - Mittelwert aller Projektinhalte bei SchülerInnen 2,17 und Lehrkräften 2,04 (Skala 1 -4).
Der Mittelwert der Gesamtnote für das Projekt lag bei den Lehrkräften bei 1,91, bei den SchülerInnen bei 2,41 (Notenskala 1 -5).
Bezüglich der Bereitschaft, im nächsten Schuljahr wieder mitzumachen, meinten 84% der Lehrkräfte ja, ganz sicher bzw. eher ja.
Bei den SchülerInnen gaben 61% an wieder mitmachen zu wollen, 21 % wussten es noch nicht und 18% lehnten eher oder bestimmt ab.

Perspektiven für das dritte Projektjahr
Die immer noch klar vorherrschende Nichtraucherhaltung hat im zweiten Projektjahr etwas abgenommen und die Zahl der Rauchenden ist angestiegen, allerdings in der Projektgruppe geringer als in der Kontrollgruppe. Diesen "Bremseffekt" gilt es nun im dritten Jahr fortzusetzen bzw. weiter auszubauen. Wie günstig dieser Effekt ausfällt, wird auch davon abhängen, wie gut es gelingt, die geplanten Inhalte an die SchülerInnen zu bringen und sie zum weiteren Mitmachen zu aktivieren. Da kommt Ihnen als Lehrkraft wiederum eine ganz wichtige Rolle zu. Darum möchten wir Sie ersuchen, wie schon in den beiden vergangenen Projektphasen, wiederum mit so viel Engagement und Schwung das Projekt zu einem erfolgreichen Ende zu bringen.
Lag im zweiten Projektjahr der Schwerpunkt auf "Nichtrauchen in der Gruppe", so wird im kommenden Jahr - Beginn wiederum nach den Semesterferien - der Fokus auf "Nichtrauchen im Raum der Schule" gelegt. Themen wie NichtraucherInnenschutz, Förderung des Nichtrauchens in der Schule, Alternativen zum schulischen Raucherplatz u.ä. werden im Vordergrund stehen.

Wodurch kann die Wirksamkeit des Projektes erhöht werden?
Wie weiter oben schon angesprochen, ist das Wissen rund um den Zigarettenkonsum durchaus noch ausbaufähig bzw. werden wesentliche Fakten von den SchülerInnen offensichtlich zu wenig zur Kenntnis genommen. Deshalb werden wir im Laufe des Herbstes nochmals einen Quiz rund um das Thema Rauchen, auch mit Ergebnissen aus der Befragung, über Internet an Sie weiterleiten und möchten Sie um Durchführung in der Klasse ersuchen. Wir werden das Thema attraktiv und kurzweilig aufbereiten, sodass die Beschäftigung damit den SchülerInnen durchaus Spaß machen sollte.
Handlungen wie (Nicht)Rauchen werden aber nicht allein durch Wissen gesteuert, sondern durch eine Reihe weiterer Faktoren, von denen wesentliche natürlich nicht im Einflussbereich der Schule liegen. Im Wirkungsbereich der Schule liegt allerdings ein effizienter Nichtraucherschutz bzw. klare Regeln, wie mit diesem Thema umzugehen ist. Bitte helfen Sie im abschließenden Projektjahr mit, dass die SchülerInnen neben ausreichendem Wissen auch Kompetenzen und Überzeugungen erlangen, sich für das Nichtrauchen, den Nichtraucherschutz einzusetzen.
Es ist uns bewusst, dass im Projekt Wiederholungseffekte eintreten (Thema allgemein, Fragebogenerhebungen etc.) und damit in einzelnen Bereichen die Motivation zum Mitmachen bei den SchülerInnen schwerer aufrecht zu erhalten ist. Wie vergleichbare Projekte zeigen, ist allerdings eine Wirksamkeit im Sinne des verringerten Zigarettenkonsums nur dann zu erzielen, wenn sich SchülerInnen über einen längeren Zeitraum wiederkehrend mit dem Thema beschäftigen.
Wir werden auch im dritten Projektjahr durch Preise bzw. eine Abschlussveranstaltung versuchen, die Motivation zum Mitmachen hoch zu halten.
Das Projektteam wird sich wiederum bemühen, Verbesserungsvorschläge zu berücksichtigen und für das abschließende Projektjahr interessante und attraktive Unterrichtsvorschläge zu machen.
Für die bisher geleistete Arbeit möchten wir uns bei den beteiligten Lehrkräften sehr herzlich bedanken. Durch Ihren Einsatz kann es gelingen, wenigstens einen Teil heranwachsender Menschen vom Griff zur Zigarette mit all den damit verbundenen negativen Folgen abzuhalten.

Die vollständige Auswertung des Fragebogens von Prof. Dr. Weiglhofer kann über
d.hochaspoeck@lks.at angefordert werden